Komplementäre HIV-Therapie

Chronische Immunaktivierung

Auch bei Einnahme der antiretroviralen Medikamente besteht das zentrale Problem der HIV-Infektion weiterhin, die chronische Immunaktivierung, die sich vor allem im Darm abspielt, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei unbehandelter HIV-Infektion. Daher kann eine komplementäre (ergänzende) antientzündliche Therapie mit natürlichen Mitteln sinnvoll sein. HIV-Medikamente senken die Viruslast, wodurch die Helferzellen in der Regel ansteigen. Alle anderen Probleme werden aber nicht durch die HIV-Medikamente gelöst.

Im Gegenteil, manche Patienten leiden unter teilweise starken Nebenwirkungen und Folgekrankheiten, vor allem wenn sie HIV-Medikamente der älteren Generationen eingenommen haben und keine komplementäre Therapie nutzten, die möglichst mit natürlichen Mitteln behandelt werden sollten. Bei Patienten, die vor Beginn der antiretroviralen Therapie (ART) meine alternative Therapie und mit Beginn der ART weiterhin meine begleitende komplementäre Therapie nutzen, treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf.

Nebenwirkungen und Folgekrankheiten

Immunsystem

  • Immunschwäche (geringe Helferzellen, Natürliche Killerzellen, Leukozyten, Lymphozyten, B-Lymphozyten, Antikörpermangel…)
  • Erhöhte Immunaktivierung (CD3+HLA DR+; CD8+ CD 38+; CD 8+ CD38+ Expression, CD4+CD25+)
  • Glutathionmangel

Mitochondrien & ATP-Bildung 

  • ATP-Mangel intrazellulär
  • ATP-Mangel bei Belastung, unzureichende Regeneration
  • Reversibel und irreversibel geschädigte Mitochondrien

Stoffwechsel

  • Erhöhte Blutfette (Cholesterin, LDL, Triglyzeride, HDL
  • HDL-Mangel
  • Gewichtszunahme
  • Muskelschwäche
  • Muskelverlust
  • Insulinresistenz
  • Diabetes Typ 2
  • Exokrine Pankreas-Insuffizienz
  • Pankreatitis/Bauchspeicheldrüsenentzündung

Mikronährstoffe

  • Vitaminmängel (v.a. Vitamin D, K, E, C, B12, Folsäure…)
  • Mineralmängel (v.a. Magnesium, Selen, Zink, Phosphor…)
  • Antioxidantienmangel z.B. Astaxanthin, OPC, Resveratrol…
  • Eisen-/Ferritinmangel
  • Fettsäurenmangel (Omega 3-6-7-9)

Darmstörungen

  • Darmpilze: Candida, Geotrichum
  • Darmdysbiose: fehlende gute Darmbakterien
  • Darmbakterien: erhöhte pathogene Darmbakterien
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Reizdarm
  • Leaky Gut Syndrom: durchlässige Darmschleimhaut
  • Histaminose: erhöhtes Histamin
  • Histaminintoleranz: DAO-Mangel zum Abbau von Histamin

Hormone & Psyche

  • Testosteronmangel
  • DHEA-Mangel
  • Mangel an Schilddrüsenhormonen (TSH, fT3)
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Ängste
  • Depression
  • Nebennierenschwäche
  • Östrogendominanz (Progesteronmangel)
  • Libidostörungen

Herz & Gefäße

  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Gefäßentzündungen
  • Homocystein
  • Argininmangel
  • Dysregulative HRV
  • Herzinfarkt – Vor- und Nachsorge
  • Schlaganfall – Vor- und Nachsorge

Schmerzen & Nervenschmerzen

  • Gelenkschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Rheumatische Schmerzen
  • Neuritis
  • Polyneuropathie

Alternative HIV-Therapie

Auch trotz der inzwischen wesentlich verbesserten HIV-Medikamente kann es im Einzelfall sinnvoll und ausreichend sein das Immunsystem mit alternativer Therapie (ohne HIV-Medikamente) zu unterstützen, vor allem dann, wenn nur eine geringe Viruslast vorhanden ist und die Helferzellen noch zwischen 400-500 liegen.

Das besondere Problem der unbehandelten HIV-Infektion ist die durch HIV ausgelöste Immunaktivierung, die sich überwiegend im Darm abspielt und ein Entzündungsgeschehen auslöst. Bei alternativer Therapie können daher keine immunaktivierenden Präparate, sondern hierzu vor allem antientzündliche Mittel eingesetzt werden.

Welche antientzündlichen Mittel die beste Wirkung haben kann z.B. im TNF- oder Interleukin 6-Hemmtest mit Präparate-Testung festgestellt werden. Dadurch können dann die wirksamsten antientzündlichen Mittel gezielt eingesetzt werden.

Besonders wichtig ist sowohl bei alternativer als auch bei komplementärer Therapie eine  umfassende Darmsanierung mit regelmäßigen Stuhluntersuchungen bzw. Mikrobiomanalysen.

Weitestgehend identische Diagnostik

Diagnostik und Therapie sind für beide Gruppen zum Teil identisch. Natürlich kann man nicht alles auf einmal untersuchen. Ich orientiere mich an den ärztlichen und sonstigen mitgebrachten Befunden, der Anamnese und evtl. Beschwerden bzw. Folgekrankheiten und empfehle dann die aus meiner Sicht vordringlichen Themen anzugehen.

Hinsichtlich der Parameter, die noch über die gesetzliche Krankenkasse untersucht werden können, arbeite ich mit dem jeweiligen HIV-Schwerpunktarzt zusammen. Bei PKV-Patienten wird die notwendige Diagnostik in der Regel komplett über die PKV-Versicherung übernommen.

Aus dem Diagnostik-Repertoire können folgende Themen ausgewählt werden:

Stress, Belastungen

  • Oxidativer Stress/MDA-LDL
  • Nitroativer Stress
  • Schwermetalle
  • Neurostress
  • ATP intrazellulär
  • ATP-Belastungstest
  • Mitochondriale Aktivität

Hormone & Neurostress

TSH, T3, T4
Testosteron
Östrogen
Cortisol
DHEA
Neurotransmitter: Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, GABA, Glutamat
Melatonin

Stoffwechsel/Gefäße

  • Säure/Basen-Status
  • Lactat-Dehydrognase (LDH)
  • Blutfette
  • HbA1c/Langzeitzucker
  • Eiweißelektrophorese
  • Lipoprotein (a)
  • Homocystein
  • Lp-PLA 2/spezifische Gefäßentzündung

Mikronährstoffe

  • Mineralstoffanalyse v. a. Zink, Selen
  • Vitamin B 6, B 12, Folsäure
  • Coenzym Q 10
  • Vitamin D
  • Glutathion
  • Fettsäuren

Immunsystem

  • Immunaktivierungs-Parameter
  • TH1-TH2-TH17-Zytokinprofil
  • TNF-alpha
  • Interleukin 6
  • Neopterin
  • Allergie-Diagnostik
  • Nahrungsmittelunvertäglichkeiten

ATP & Mitochondrien

  • ATP-intrazellulär – Adenosintriphosphat
  • ATP-Belastungstest
  • Mitochondriale Aktivität

Rund um den Darm

  • Mikrobiomanalyse / Stuhluntersuchung
  • Pathogene Darmbakterien
  • Durchfallerreger
  • Darmpilze/Candida
  • Darmparasiten
  • Gallensäuren
  • Pankreas-Elastase
  • Zonulin / Leaky Gut Syndrom
  • Histamin / DAO

Sonstiges

  • Bioscan Gesundheitsstatus
  • HRV-Analyse / Vegetative Stressanalyse

Ursächliche Therapie statt Symptom-Unterdrückung

Insbesondere für Patienten mit komplementärer Therapie ist es wichtig, wenn irgend möglich den Körper nicht mit zusätzlichen allopathischen Medikamenten zu belasten. Wenn bereits zusätzliche Medikamente eingenommen wurden, kann versucht werden diese in Absprache mit dem behandelnden Arzt auszuschleichen und abzusetzen bei gleichzeitiger Einnahme natürlicher Präparate.

Bei alternativer Therapie sollte man bedenken, dass HIV-Medikamente zwar in der Regel früher oder später unumgänglich sind, zusätzliche Medikamente aber in der Regel nur Symptome unterdrücken und nicht die Ursachen beseitigen. Ursächliche Therapie kann nur mit natürlichen Mitteln erfolgen, in dem Defizite, Dysbalancen und Dysregulationen beseitigt werden und der Körper bei der Eigenregulation unterstützt wird.

Weiterführende Informationen finden Sie in meinen HIV-Fachartikeln:

HIV – Mythos oder ernstzunehmende virale Bedrohung
Teil 1: Zur HIV/Aids-Kritik und ihren lebensgefährlichen Folgen für HIV-Patienten
CO-MED 11/2011

HIV – Chronische Entzündung und Immunaktivierung
Teil 2: Chancen und Grenzen alternativer Therapie bei HIV-Patienten ohne antiretrovirale Therapie (ART)
CO-MED 02/2012

HIV: Nutzen und Schaden antiretroviraler Therapie (ART)
Teil 3: Aspekte und Erfahrungen complementärer Therapie bei HIV-Patienten ergänzend zur ART
CO-MED 03/2012

Meine HIV-Fachartikel sind derzeit über die Homepage
von Walter Häge
 
„Selbsthilfe online“ einsehbar:
Chronische Infektionen – Selbstheilung Online
Download: HIV CO’med Artikel 1,2,3

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